Teil 04: Bulgarien - Istanbul/Böl...

Sa, 06.06.2015: Bansko – Haskovo: Die Fahrt der hundert Hügel und tausend Kurven

Das Wetter war ausgezeichnet für diesen Reisetag. Weil ich zumeist auf über 1000 m.ü.M. unterwegs war, war es ordentlich kühl, aber angenehm. In den Bergen war es teils wolkig, aber die Sonne zeigte sich immer wieder. Es war ein toller Reisetag.

Die Fahrt führte zuerst bergab Richtung Gotse Delchev entlang eines immer breiter werdenden Flusses, dessen Wasserqualität aber für einen zukünftigen Flosstrip nicht überzeugte. Bis Dospat, mit seinem Stausee noch bekannt von der Reise vor vier Jahren, stieg die Strasse, vorbei an Wäldern und Feldern, an denen Bauern von Hand ihre Plantagen bewirtschafteten, kontinuierlich an. In Dospat machte ich einen Halt am Stausee. War aber nicht wirklich sehenswert. Kleinindustrie, weiss Gott was, störte die Idylle. Ich fuhr weiter östlich über einen Pass und dann lange Zeit talwärts durch Föhrenwälder, vorbei an einigen verschlafenen, ärmlichen Dörfern. Shiroka Laka erinnerte mich mit ihren Bauten etwas an die kleine osmanische Stadt Safran Bolu im Norden der Türkei. Die Ziegelbauten werden sorgsam aufrechterhalten, um einige Einkünfte mit dem Tourismus zu machen. Bald erreichte ich nach einer deftigen Steigung Pamperovo, und hier wurde ich wirklich überrascht. Dieser Ort war auf der Karte nicht einmal eingezeichnet, aber hier standen riesige, neue Hotels, die offenbar auf Wintertourismus ausgelegt sind. Tatsächlich entdeckte ich auch einen recht modernen Sessellift. Aber ich fand bei Gott keine höheren Berge, ich weiss nicht wirklich, wo und wie hier wirklich Ski gefahren werden kann. Auf der Karte rekonstruierte ich, dass die Berge kaum 1600 m hoch sind. Pamperovo war ziemlich leer um diese Zeit und brachte keinen Grund zum Verweilen. Jetzt ging es einige Kilometer steil bergab, und ich fand problemlos die Abzweigung Richtung Ardino/Kardzali. Die Strasse stieg wieder an, ich hatte einen weiteren Hügel zu bewältigen, aber ich kam nur schleppend vorwärts, weil die Strasse mit Löchern durchsetzt und sehr holprig war. Die 35 km Strecke bis Ardino unterschätzte ich vollkommen, weil es immer wieder auf und ab ging. Der Tag geht deshalb ein als Tag der hundert Hügel und tausend Kurven. Ich war froh, Ardino endlich erreicht zu haben, denn allmählich wurde das Benzin knapp. Und da war tatsächlich eine Tankstelle (1 Liter = 1.18 Sfr). Nach Ardino begann es erneut massiv anzusteigen. Unterdessen war ich hungrig geworden und machte auf der Passhöhe Halt bei einem kleinen bulgarischen Restaurant. Es war schon halb vier Uhr und hatte Glück, dass der Chef eben eine Reihe frische Hamburger auf den Grill warf. Ich bestellte auch drei davon, garniert mit frischem Salat, trank zwei Colas und bezahlte schliesslich Fr. 3.80 für alles zusammen… Je mehr man sich im Stotzgrotzen bewegt, desto billiger ist alles!

Kardzali, eine recht grosse Stadt, empfing mich mit heruntergekommenen altkommunistischen Plattenbau-Blöcken, nicht wirklich ansehnlich und undenkbar, hier hausen zu müssen. Unterdessen hatte ich das Hügelland verlassen und fuhr noch weitere 45 km bis vor Haskovo. Bei der Einfahrt in diese Stadt machte ich Halt bei einem neuen Hotel am Strassenrand (Ring Pension) und kriegte ein sehr sauberes Zimmer für 12 €. Nur essen mochte ich nicht mehr, denn in meinem Magen braute sich ein Gewitter zusammen, das aber glücklicherweise nicht zum Ausbruch kam. In diesem Hotel sah ich diese ersten nichtbulgarischen Leute heute – eine moldawische Gruppe hatte einige Zimmer gebucht. Aber diese Menschen sprachen kein Wort mit mir und wichen meinen Augenkontakten absichtlich aus…

Km: 3858

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